Geschichte

Unsere Pfarrgemeinde wurde am 1. Januar 1947 durch den damaligen Bischof Dr. Johannes Josef van der Velden gegründet. Die Geschichte der Bemühungen für diese Pfarre gehen jedoch bis ins 19. Jahrhundert zurück. Schon bevor die jetzige Pfarrkirche St. Michael in Waldniel gebaut wurde, versuchten die Bewohner der damals selbständigen Gemeinde Kirspel-Waldniel ein eigenes Gotteshaus zu bekommen. Alle Bemühungen schlugen fehl, bis die Geschwister Wix 1907 die Initiative ergriffen und ihr gesamtes Vermögen für den Bau eines Klosters stifteten. Die Franziskanerbrüder von Waldbreitbach begannen 1911 mit dem Bau des Josefsheimes in Hostert, um dort geistig behinderte Jungen und Männer zu betreuen. Die Klosterkirche wurde so gebaut, dass sie auch für die Bewohner der Sektionen zugängig war.

Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus gerieten die Franziskanerbrüder in Schwierigkeiten: Sie wurden in diffamierende Sittlichkeits- und Devisenprozesse verwickelt und 1937 vertrieben. Auch in Hostert wurde in den Kriegsjahren sogenanntes „lebensunwertes Leben“, wie es damals hieß, durch Handlanger Hitlers vernichtet. In einer „Kinderfachabteilung“ tötete der Arzt Hermann Wesse mit zwei Krankenschwestern mindestens 30 schwerstbehinderte Kinder.

Im Jahr 1952 kauften die Franziskanerbrüder die Anstalt von der Bundesrepublik Deutschland, die jetzt Eigentümerin war, zurück. Der Preis war so niedrig, dass er als der Versuch einer Wiedergutmachung für das von den Nazis erlittene Unrecht angesehen werden konnte. Es zeigte sich jedoch, dass ein Betrieb wie vor der NS-Zeit nicht möglich war, und die Anstalt ging 1955 wieder in Bundesbesitz über. Zuletzt war dort eine weiterführende Schule für Kinder der in Deutschland stationierten englischen Soldatenfamilien untergebracht. Seit 1992 stehen die Kirche und die übrigen Gebäude leer.

Die Bundesvermögensstelle hatte die Kirche zu einem sehr günstigen Preis an die Pfarre St. Mariae Himmelfahrt vermietet, lehnte es jedoch ab, irgendwelche Reparaturen zu übernehmen. Die Verwaltung des Bistums Aachen wiederum war nicht bereit, die hohen Reparaturkosten zu tragen, weil sie nicht Eigentümerin der Kirche war.
So fand der Gedanke, eine neue Kirche zu bauen, immer mehr Anhänger in der Gemeinde. Unter Pastor M. Leclerq wurde er schließlich verwirklicht.

Nach jahrelangem Bemühen von Pfarrer, Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat wurde am 20. Februar 1976 von der bischöflichen Behörde in Aachen das Placet zum Neubau nach den Plänen des ortsansässigen Architekten Josef Pillen gegeben. Schon am 3. Dezember des gleichen Jahres konnte der Grundstein gelegt werden. Am 18. Juni 1978 wurde die Kirche durch Weihbischof Dr. Gerd Dicke konsekriert. Die Kirche in Hostert wurde entweiht.

Dieser Kirchenneubau, ein modernes Gotteshaus und echter Mittelpunkt der weit zersiedelten Gemeinde, hatte anfangs keinen Kirchturm. Hierzu hatten die Mittel nicht gereicht. Dies erschien vielen Gemeindemitgliedern aber unerträglich, zumal aus der alten Kirche in Hostert noch die beiden Glocken sichergestellt worden waren. So keimte schon bald nach der Fertigstellung des Kirchenbaus der Gedanke heran, einen Glockenturm zu bauen.

Konkreter ins Auge gefasst wurde dieses Ziel nach der Übernahme der Gemeinde durch Pastor K. W. Koerschgens, der als Pastor von St. Michael Waldniel vom Palmsonntag 1980 an gleichzeitig auch Pastor von St. Mariae Himmelfahrt Waldnieler Heide und St. Jakobus Lüttelforst wurde. Am 13. Mai 1990 war das Ziel erreicht. Durch den damaligen Regionaldekan M. von Holtum konnte unser Kirchturm eingeweiht werden. Die Gemeinde errichtete ihn ohne Zuschuss von Kirchensteuermitteln.

Der 12. August 1990 war wiederum ein neuer Meilenstein in der Geschichte unserer Gemeinde. Wegen des fortschreitenden Priestermangels wurde im Rahmen der Weggemeinschaft ein Kooperationsmodell verwirklicht, in dem alle Schwalmtaler Gemeinden (St. Gertrudis Dilkrath, St. Georg Amern, St. Anton Amern, St. Michael Waldniel, St. Jakobus Lüttelforst und St. Mariae Himmelfahrt Waldnieler Heide) von Pastor Wilhem Kursawa zusammen mit Pastor K. W. Koerschgens (bis 2001), heute mit Pastor Thorsten Aymanns betreut werden.

Auf Grund großherziger Einzelspenden wurden 2003 zwei weitere Lichtbänder in der Kirche farbig verglast und 2004 ein Taufstein aus Muschelkalk, passend zu Altar, Ambo und Tabernakel, aufgestellt.
Seit dem 1. Januar 2010 ist unsere Pfarrgemeinde Teil der neu gebildeten Pfarrei St. Matthias, die alle katholischen Kirchengemeinden in Schwalmtal umfasst.
Als lebendiges Zeichen dieser Verbundenheit wurde Pfingsten 2010 ein drittes Kirchenfenster unserer Kirche farbig gestaltet, das das Sakrament der Firmung zum Thema hat und den Pfarrpatron Matthias symbolisch darstellt.

Finanziert wurde diese Fenster ausschließlich durch Spenden von Gläubigen unserer Gemeinde und der Schwestergemeinden von St. Matthias.